FAQs Kleinkinder

Mein Kind kann „r“ und „sch“ nicht (richtig) sprechen

Die Laute (Buchstaben) „r“ und „sch“ sind häufig die beiden letzten, die vom Kind erworben werden. Manche können diese Laute bereits mit 3.5 Jahren, andere nehmen sich dafür bis Ende des fünften Lebensjahres Zeit.

TIPPS, wenn ihr Kind älter als 4 Jahre alt ist:

  • Betonen Sie in Wörtern den Laut  „r“ und „sch“ indem Sie diesen etwas länger aussprechen als normal: zum Beispiel «RRRadio, RRRad, Wasserrr» oder «Schschschlange».

Auf diese Weise kann Ihr Kind „r“ und „sch“ besser hören, es wird auf den Laut aufmerksam und beginnt seine eigene Sprache zu überprüfen und zu verändern.
Eine Aufforderung zum Nachsprechen ist nicht notwendig.

  • Greifen Sie das falsch gesprochene Wort Ihres Kindes auf und bieten es korrekt an: Ihr Kind sagt «Papa, kann ich das Ladio einschalten?». Sie greifen das Wort auf und sprechen selber korrekt: «Ja, das darfst du. Schalte das Radio ein.»

-> Verändert sich der Umgang mit den Lauten über einen längeren Zeitraum nicht, wenden Sie sich an eine Logopädin oder an den Kinderarzt.

LINKS unter www.logopaedie.ch/links-listen -> Kindersprache

 

Mein Kind spricht undeutlich

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Aussprache Ihres Kindes undeutlich oder auch schwer verständlich ist:

  • Vereinzelte Ausspracheschwierigkeiten sind im Spracherwerb normal. Zum Beispiel dass das Kind «sön» sagt anstatt «schön» oder «lamsam» statt «langsam». Oder dass die Zunge bei «s» zwischen den Zähnen steht – lispeln genannt.
    Das Kind lernt die verschiedenen Laute (Buchstaben) und wo sie in den Wörtern ihren Platz haben nach und nach. Normalerweise kann ein Kind zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr alle Laute in allen Wörtern korrekt aussprechen und einsetzen.
  • Die Sprachentwicklung ist beeinträchtigt und das Kind lässt Laute weg, vertauscht sie oder bildet eigene Regeln.

TIPPS:

  • Laute auslassen, vertauschen: Betonen Sie den Laut, den das Kind weglässt in Ihrer eigenen Sprache: das Kind sagt: «Ballo_». Sie sagen «ja, der Ballonnnn ist rot». Das Kind sagt: «Kapagei». Sie sagen: «wo hast du den Ppapagei gesehen?» - Sie müssen Ihr Kind nicht zum Nachsprechen auffordern. Legen Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf WAS Ihr Kind erzählt.
  • Suchen Sie gemeinsam Reimwörter – es dürfen auch Quatsch-Wörter entstehen: Haus – Maus / Kran – Schwan / Lumpi – Gumpi / …
    So hört Ihr Kind, dass ein Laut (Buchstabe) einen Unterschied macht und es wichtig ist, welche Laute man benutzt.
  • Sollten Sie unsicher sein, ob bei Ihrem Kind die Auffälligkeiten noch normal sind, wenden Sie sich an eine Logopädin oder eine Abklärungsstelle oder an den Hausarzt.

LINKS unter www.logopaedie.ch/links-listen -> Kindersprache

 

Mein Kind stottert - was nun?

Stottern kann vorübergehen und unbedenklich sein oder auch anhaltend. Sie sollten deshalb genau beobachten. Viele kleine Kinder zwischen 2 und 3.5 Jahren zeigen vorübergehend Wortwiederholungen. Diese werden nicht als Stottern angeschaut, sondern als Ungleichgewicht des Mitteilungswillens und des Sprachvermögens des Kindes.

Ist das Kind 4 Jahre alt oder älter und halten die Redeunflüssigkeiten länger an, ist es ratsam eine Logopädin zu kontaktieren.

TIPPS

  • Atmen Sie selbst ruhig weiter – auch wenn Ihr Kind stottert.
  • Lassen Sie Ihrem Kind Zeit, bis es fertig gesprochen hat. Vermeiden Sie Kommentare wie zum Beispiel: «sprich langsam».
  • Konzentrieren Sie sich auf den Inhalt, WAS Ihr Kind mitteilen will und nicht, wie das Kind spricht.

Die vorgeschlagenen Hilfestellungen lösen das Stottern nicht, sondern können angespannte Situationen etwas auflockern.

Wenden Sie sich an eine Logopädin oder den Kinderarzt , wenn bei Ihrem Kind

  • Lautwiederholungen, Dehnungen oder Blockaden länger als 6 Monate anhalten
  • starke Mitbewegungen und Verkrampfungen beim Sprechen zu beobachten sind
  • viele Unflüssigkeiten auftreten
  • das Kind unter dem Stottern stark leidet

LINKS unter www.logopaedie.ch/links-listen -> Stottern

 

Wie merke ich, ob mein Kleinkind etwas wirklich versteht? Manchmal will es ja einfach nicht hinhören.

Sprache verstehen heisst, dass man weiss, was man mit dem Gehörten TUN soll.

Kann das Kind den Auftrag ausführen? Zögert es? Fragt es nach? Sagt es einfach «ja» oder «nein»? – Beobachten Sie die Reaktion ihres Kindes, dies gibt Ihnen Hinweise, ob ihr Kind versteht oder eher nicht.

Kinder mit 4 Jahren können normalerweise eine Geschichte ohne Bilder verstehen.

TIPPS:

  • Geben Sie ihrem Kind einen einfachen Auftrag ohne ihren Blick zum Gegenstand schweifen zu lassen. Beispiel: «Bitte hol mir die grosse Schere aus meinem Büro». Wie reagiert Ihr Kind?
  • Stellen Sie beim Bilderbuchbetrachten dem Kind ab und zu eine Frage, die Bezug zum Inhalt nimmt (wo? was? wer? warum?). Kann Ihr Kind Auskunft geben?
  • Spielen Sie Gegenstände verstecken: Verstecken sie zum Beispiel ein Spielzeug im gleichen Raum. Das Kind darf die Augen öffnen. Sagen Sie ihrem Kind wo sie den Gegenstand versteckt haben, ohne in diese Richtung zu schauen. Das Kind darf erst suchen gehen, wenn sie fertig erzählt haben. Beispiel: «Der Bär versteckt sich im Regal hinter den Bilderbüchern.»

-> Wenn Sie Schwierigkeiten im Verstehen beobachten oder sich unsicher fühlen, wenden Sie sich an eine Logopädin oder an den Kinderarzt.

LINKS unter www.logopaedie.ch/links-listen -> Kindersprache

 

Mein Kind wächst mit mehreren Sprachen auf. Worauf müssen wir achten?

Eine starke Muttersprache (Erstsprache) ist immer die beste Voraussetzung für jede weitere Sprache. Sprache ist immer auch Beziehung und Emotion. Deshalb ist es wichtig, dass jeder Elternteil hauptsächlich in der eigenen Mutter-Sprache mit dem Kind spricht.

International gesehen ist Mehrsprachigkeit heute die Norm. Heute gilt „eine Situation, eine Sprache“. Das bedeutet, dass in mehrsprachigen Familien verschiedene Sprachen nebeneinander Platz haben und häufig, je nach Situation die Sprache gewechselt wird.

Beispiel: Vater mit Muttersprache Italienisch, Mutter mit Muttersprache Englisch, Wohnort in der Deutschschweiz.

Der Vater spricht allein mit seinem Kind in seiner Muttersprache Italienisch. Wenn die Mutter dabei ist, z.B. beim Abendessen, dann wechseln alle in die Familiensprache Englisch. Wenn die Mutter und das Kind zusammen das Muki-Turnen besuchen, sprechen sie vorwiegend wie die andern Mütter und Kinder, also Schweizerdeutsch. Sind die Mutter und das Kind alleine, spricht die Mutter wieder Englisch mit ihrem Kind.

Auch mehrsprachigen Kindern können eine spezifische Spracherwerbsstörung haben. Die Mehrsprachigkeit ist aber nie der Grund dafür und Mehrsprachigkeit „verschlimmert“ die Spracherwerbsstörung auch nicht.

TIPPS:

  • Sprechen Sie hauptsächlich in der Sprache, in der Sie sich am besten Ausdrücken können
  • Ideal ist «eine Situation – eine Sprache» oder auch «eine Person – eine Sprache». Mischen Sie die Sprachen nicht innerhalb eines Satzes oder einer kurzen Erzählung.
  • Bei Kindern mit einer Spracherwerbsstörung oder Entwicklungsverzögerung: Entlasten Sie Ihr Kind, indem Sie bei den Sprachen Ihrer Familie bleiben. Lassen Sie zusätzliche Sprachen noch weg, bis Ihr Kind Ihre Sprachen gut beherrscht (zum Beispiel eine Spielgruppe Ihrer Muttersprache besuchen oder eine Betreuungsperson suchen, die Ihre Sprache spricht.).

-> Wenn Sie sich unsicher fühlen, wenden Sie sich an eine Logopädin oder an den Kinderarzt

LINKS unter www.logopaedie.ch/links-listen -> Mehrsprachigkeit

 

Mein Kind wächst zweisprachig auf und spricht oft beide Sprachen durcheinander. Ist das normal?

Das Mischen von Sprachen allein, in der Fachsprache „Code-Switching“ genannt, ist noch kein Grund für eine logopädische Abklärung.

Viele mehrsprachige Menschen mischen in gewissen Situationen (je nach Gesprächspartner) ihre Sprachen. Dies kommt sowohl bei Kindern mit, als auch bei Kindern ohne Spracherwerbsprobleme vor.

TIPPS:

  • Mischt Ihr Kind die beiden Sprachen NUR mit Personen, die ebenfalls beide Sprachen beherrschen? Dann ist es normal beide Sprachen gleichzeitig zu verwenden. Achten Sie selber darauf, beim Sprechen die Sprache nicht innerhalb eines einzigen Satzes zu vermischen.
  • Mischt Ihr (noch kleines Kind) immer beide Sprachen – mit allen Personen? Dann ermöglichen Sie Ihrem Kind regelmässigen Kontakt mit einsprachigen Personen. So kann Ihr Kind lernen, dass nicht alle Menschen beide Sprachen sprechen. Und es lernt, die Sprachen zu trennen.

-> Wenn Sie sich unsicher fühlen, wenden Sie sich an eine Logopädin oder an den Kinderarzt.

LINKS unter www.logopaedie.ch/links-listen -> Mehrsprachigkeit

 

Was tue ich, wenn der Kinderarzt eine logopädische Abklärung als unnötig erachtet, ich aber verunsichert bin?

Wenn Eltern bezüglich der Sprachentwicklung ihres Kindes verunsichert sind und vom Kinderarzt dabei nicht unterstützt werden, können sie sich direkt an eine logopädische Abklärungs-, Fach-
oder Therapiestelle wenden und sich (telefonisch) beraten lassen. Die Logopädin weiss in diesem Fall Bescheid, wie das Vorgehen in Ihrer Wohngemeinde ist.

Eine logopädische Beratung oder Abklärung lohnt sich auf jeden Fall,

  • wenn das Kind mit 2-3 Jahren keine oder nur wenige einzelne Wörter spricht
  • wenn das Kind ab 2.5 Jahren Aufträge nicht versteht und nicht auf Fragen antwortet
  • wenn das Kind mit 3-4 Jahren für Aussenstehende schwer verständlich sprich, sich nicht für Geschichten interessiert, Anweisungen nur ungenau versteht, keine Sätze bildet
  • wenn das Kind mit 5-6 Jahren noch viele Laute nicht korrekt bildet
  • wenn länger anhaltende Phasen des Stotterns auftreten
  • wenn ein mehrsprachig aufwachsendes Kind in beiden Sprachen Probleme hat und wenig Fortschritte macht.

Bei schulpflichtigen Kindern (ab dem Kindergarten) sind die Logopädinnen der Schulgemeinden zuständig. Erkundigen Sie sich bei der Schulleitung.

 

Was macht die Logopädin mit kleinen Kindern?

Die Logopädin unterstützt kleine Kinder (ab 2 Jahren) darin, die Sprache zu erwerben, wenn sich Schwierigkeiten abzeichnen.

Weil kleine Kinder beim Spielen viel lernen, spielt die Logopädin gezielt mit dem Kind. Spielen ist erlebte Sprache. Mit Sprache teilen wir mit, was wir erlebt haben oder was wir wollen.

Die Logopädin bietet dem Kind beim gemeinsamen Spielen optimale Sprechmöglichkeiten an, so dass das Kind seine sprachlichen Schwierigkeiten überwinden kann.

Manchmal gestaltet die Logopädin auch bewusst Situationen zum Üben einer sprachlichen Fähigkeit.

Ziel der Logopädie ist stets, dass das Kind gerne kommuniziert, sich altersentsprechend und verständlich mitteilen und andere verstehen kann.

-> Wenn Sie Fragen zur Arbeitsweise der Logopädin haben, dürfen Sie nachfragen, warum die Logopädin was wie macht. Die Logopädin gibt Ihnen gerne Auskunft.

 

Ab welchem Alter lohnt sich Logopädie?

Je früher bei Sprachstörungen logopädische Massnahmen eingeleitet werden, desto grösser sind die Erfolgsaussichten.

Gefährdete Kinder können schon im Alter von zwei Jahren gut erfasst werden, indem man ihre symbolischen und kommunikativen Fähigkeiten sowie ihr Sprachverständnis beobachtet:
-  Gibt das Kind seinen Handlungen Bedeutung und macht es Tun-als-ob-Spiele?
-  Interessiert es sich für Bilderbücher?
-  Kann es seine Bedürfnisse ausdrücken und sich durch Nein abgrenzen?
-  Sagt es seinen Namen?
-  Kann es auf Aufforderung einen Gegenstand suchen gehen, auch wenn es nicht weiss, wo er sich befindet?
-  Interessiert es sich für Details in Bilderbüchern, zeigt darauf oder fragt danach?
-  Kann es mit den gesprochenen Wörtern auf Nicht-Vorhandenes Bezug nehmen?

-> Wenn bei Ihrem Kind die meisten dieser Fähigkeiten fehlen, besprechen Sie dies mit Fachkräften und holen Sie Rat bei einer Logopädin.

 

Wie finde ich eine Logopädin für mein Kind?

Die Zuweisung erfolgt in jedem Kanton anders. Wenn Ihr Kind sprachliche Auffällig­keiten zeigt, melden Sie dies dem Kinder- oder Hausarzt, wenden Sie sich an einen logopädischen Dienst oder bei Kleinkindern an eine Frühberatungsstelle der Region. Bei Schulkindern sind die Schulgemeinden zuständig. Auch Logopädinnen wissen über den richtigen Zuweisungs-Weg Bescheid.

 

Wer bezahlt die Therapie im Frühbereich?

Die Kosten der Logopädischen Therapie übernimmt je nach Kanton entweder die Gemeinde oder der Kanton. Wenn eine Therapie angezeigt ist, ist diese grundsätzlich kostenlos für die Eltern.

FAQs Schulkinder

Mein Kind schreibt viele Wörter falsch. Müssen wir noch mehr üben?

Es kommt ganz darauf an, wie alt ihr Kind ist und welche Wörter schwer fallen. Einen grossen Anteil der Wörter kann man mit der alphabetischen Strategie korrekt schreiben – das heisst, die Wörter werden so geschrieben, wie man sie ausspricht. Diese ist die erste Strategie, die ihr Kind in der Schule lernt. Nach und nach lernt ihr Kind dann die verschiedenen Rechtschreibregeln kennen (z.B. Doppelbuchstaben, Wörter mit „ck“ oder „tz“ etc.). Zum Schluss gibt es noch einige Ausnahmen – Wörter, die man sich einfach merken muss, wie z.B. Wörter mit V/v, ee/aa/oo oder einem „stummen“ h.

TIPPS:

  • Sprechen Sie beim Schreiben lernen den Laut aus, wie er tönt und nicht, wie er heisst; als S nicht Ess oder B nicht Be.
  • Ermuntern Sie Ihr Kind bis Mitte erster Klasse die Wörter so zu schreiben, wie es die Wörter hört. Weisen Sie danach mit zunehmenden Alter auf Rechtschreiberegeln hin.

-> Wenn Ihr Kind länger Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung hat, liegt möglicherweise eine Lese-Rechtschreib-Störung, auch Dyslexie genannt, vor (früher Legasthenie).
Wenden Sie sich dann an die Klassenlehrperson oder die Logopädin.

Weitere Informationen -> Lese-/Rechtschreibstörung

 

Mein Kind liest kaum und wird schnell müde beim Lesen. Was soll ich tun?

Wichtig in dieser Situation: Druck führt nicht zu mehr Freude am Lesen. Versuchen Sie herauszufinden, was ihr Kind interessiert. Eventuell ist der bisherige Lesestoff zu schwierig gewesen. Suchen Sie mit Ihrem Kind nach kürzeren Texten oder Geschichten mit grösserer und einfacherer Schrift. Die Klassenlehrperson kann Ihnen bestimmt bei der Auswahl des geeigneten Lesestoffes helfen. Häufig ist es für die Kinder auch motivierend, wenn sie gemeinsam mit einem Elternteil lesen dürfen – das gemeinsame laute Vorlesen unterstützt ihr Kind beim Erwerb des Lesens.

TIPPS:

  • Wählen Sie einfachere Texte oder Geschichten
  • Wählen Themen, die das Kind interessiert. Machen Sie das Lesen zu einem Erlebnis.
  • Wählen Sie Bücher mit grösserer Schrift und vielen Abschnitten.
  • Üben sie das Lesen zuerst an kurzen Wörtern oder Silben.

-> Wenn Ihr Kind länger Schwierigkeiten mit Lesen hat, liegt möglicherweise eine Lese-Rechtschreib-Störung, auch Dyslexie genannt, vor (früher Legasthenie).
Wenden Sie sich dann an die Klassenlehrperson oder die Logopädin.

Weitere Informationen -> Lese-/Rechtschreibstörung

 

Kann mein Kind mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (früher Legasthenie genannt) eine höhere Schule besuchen oder eine anspruchsvolle Lehre machen?

Grundsätzlich ja, für den Schulerfolg sind aber verschiedene Faktoren verantwortlich. Wichtig ist, dass Ihr Kind im Umgang mit den Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten Unterstützung bekommt und dass diese Diagnose rechtzeitig gestellt wird.

Ist eine Lese-Rechtschreibstörung/Dyslexie (früher Legasthenie genannt) diagnostiziert, besteht allenfalls die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich zu beantragen

 

Was ist ein Nachteilsausgleich? Hat mein Kind  bei einer diagnostizierten Lese-Rechtschreibstörung (LRS) ein Recht darauf?

Aufgrund der Bundesverfassung und des Behinderten-Gleichstellungs-Gesetzes sollten Massnahmen ergriffen werden um Benachteiligungen zu verhindern oder soweit wie möglich auszugleichen. Das heisst ein Kind mit einer diagnostizierten Lese-Rechtschreibstörung hat grundsätzlich das Recht auf ausgleichende Massnahmen. In welchen Fällen und in welcher Form dies der Fall ist, ist je nach Schulstufe und Handhabung des Kantons unterschiedlich

Viele Kantone erarbeiten aktuell Leitlinien im Umgang mit dem Nachteilsausgleich. Informieren Sie sich bei der zuständigen Logopädin oder bei der Klassenlehrperson über das aktuelle Vorgehen. Auch der Schulpsychologischen Dienst (SPD) Ihres Kantons kann Ihnen dazu Auskunft geben.

Weitere Informationen -> Positionen: Nachteilsausgleich und Vereinbarung Nachteilsausgleich

 

Wer übernimmt die Kosten für eine logopädische Therapie? Wie wird die Therapie finanziert?

Die Kosten für logopädische Therapie für Kinder und Jugendliche übernehmen die Schulgemeinden oder Kantone.

In ganz seltenen Fällen kann eine Therapie über die Krankenkasse abgerechnet werden.

 

Darf man Eltern dazu zwingen, ihr Kind in die Sprachheilschule anzumelden oder in die Therapie zu schicken?

NEIN, ausser die elterliche Obhut ist entzogen. Logopädische Therapie ist ein freiwilliges Angebot und eine Chance. Kinder mit sprachlichen Auffälligkeiten können in der Sprachheilschule oder in einer spezifischen Therapie besser in ihrer schulischen Laufbahn unterstützt werden als ausschliesslich durch den normalen Schulunterricht.

 

Wie wird der Erfolg der logopädischen Therapie überprüft?

Die Logopädin überprüft im Therapieverlauf ständig, ob die Therapie Erfolg hat und passt ihre Methoden entsprechend an. Sie testet ausserdem ausführlich mit standardisierten Testverfahren, wo genau das Kind steht.

 

Kann man nachweisen, dass sich das Kind dank Logopädie verbessert?

Es existieren zahlreiche Untersuchungen, die belegen, dass Kinder mit logopädischer Unterstützung erhebliche Fortschritte machen. Diese erleichtern ihm die schulischen Laufbahn und sie kommen besser in ihrem Privatleben zurecht.

 

Sind die Therapie-Methoden der Logopädinnen wissenschaftlich fundiert?

Der Logopädin stehen glücklicherweise viele wissenschaftlich fundierte Methoden zur Verfügung, genauso wie altbewährte oder noch wenig erforschte Vorgehensweisen. Auch diese  Ansätze gilt es laufend zu erforschen, um möglichst wirksame Therapien anbieten zu können. Die Logopädie entwickelt sich stetig wissenschaftlich messbar weiter.

Zu vielen Sprachbeeinträchtigungen gibt es wissenschaftlich erstellte Leitlinien.

FAQs Erwachsene

Ich habe plötzlich Mühe mit Schlucken. Was kann ich tun?

Schluckstörungen können durch verschiedene Ursachen bedingt sein und plötzlich oder schleichend auftreten.

Die häufigste Ursache bei Erwachsenen sind neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle, Parkinson oder Multiple Sklerose. Nicht selten treten sie auch altersbedingt durch die Abnahme der Muskelkraft und bei fortgeschrittenen Demenzerkrankungen auf. Weitere Ursachen können Unfälle, Tumorerkrankungen, Operationen und Muskelerkrankungen sein.

Wie erkennen Sie eine Schluckstörung?
• Müssen Sie häufig räuspern oder husten beim Essen/Trinken?
• Verspüren Sie häufig Atemnot beim Essen/Trinken?
• Klingt Ihre Stimme häufig gurgelnd, nass oder verschleimt nach dem Schlucken?
• Tritt während oder nach dem Essen Nahrung aus der Nase oder aus dem Mund aus?
• Bleiben Speisereste im Mundraum zurück, nachdem Sie geschluckt haben?
• Brauchen Sie deutlich mehr Zeit für eine Mahlzeit als früher?
• Verspüren Sie oftmals ein Fremdkörpergefühl im Hals nach dem Schlucken?
• Meiden Sie bestimmte Getränke oder Speisen, weil Sie Ihnen Mühe bereiten?

-> Wenn sie mehrere Fragen mit JA beantworten, sollten Sie die Schwierigkeiten abklären lassen. Wenden Sie sich an ihren Hausarzt oder an eine Logopädin. Falls es notwendig ist, lassen Sie sich eine Verordnung für eine logopädische Abklärung erstellen. Die Logopädin wird dann gemeinsam mit Ihnen genauer ermitteln, welche Massnahmen für Sie geeignet sind.

 

Ich bin häufig heiser und muss mich räuspern. Was kann ich tun, damit meine Stimme besser wird?

Heiserkeit oder eine Verschlechterung der Stimme (Ton, Volumen, etc.) können durch verschiedene Ursachen bedingt sein und plötzlich oder schleichend auftreten.

Die häufigsten Ursachen bei Erwachsenen sind Überlastung der Stimme (Sprechberufe, Singen), Erkältung, starkes Rauchen.

TIPPS:
• locker sprechen statt flüstern
• Stimme schonen: «Schweigen ist Gold!»
• regelmässig und viel trinken
• inhalieren, am besten mit reinem (Salz-)Wasser
• nur Bonbons lutschen mit möglichst geringem Anteil an Menthol, Pfefferminze und Salbei

->Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder einen Spezialarzt (Phoniater/HNO), wenn die Beschwerden länger als 2 Wochen andauern. Falls es notwendig ist, lassen Sie sich eine Verordnung für eine logopädische Abklärung erstellen. Die Logopädin wird dann gemeinsam mit Ihnen genauer ermitteln, welche Massnahmen für Sie geeignet sind.

 

Was macht eine klinischer Logopädin/ein klinischer Logopädie?

Klinische Logopädinnen diagnostizieren und therapieren verschiedene Sprach-, Sprech,- Stimm- und Schluckstörungen sowie Fazialisparesen.

Klinisch tätige Logopädinnen arbeiten intensiv mit andern Fachleuten zusammen: Neben Ärzten mit Physiotherapie, Ergotherapie, Pflege, etc.

 

Wo finde ich eine Logopädin/einen Logopäden?

Klinische Logopädinnen sind entweder in Spitälern, Rehazentren sowie anderen klinischen Institutionen angestellt oder selbstständig in eigenen bzw. Gemeinschaftspraxen tätig.

Fragen Sie Ihren Haus- oder Facharzt.
Klicken Sie auf www.logopaedie.ch/kantonalverbände auf Ihren Kanton, bei vielen Kantonen sind die Freien Praxen aufgeführt.
Bei Bedarf gibt auch der DLV Auskunft.

 

Wer zahlt die logopädische Therapie?

Liegt eine ärztliche Verordnung vor, so wird logopädische Therapie von der Grundversicherung der Krankenkassen bezahlt.

 

Kommt die Logopädin auch zu mir nach Hause bzw. in ein Pflegeheim?

Teilweise gibt es sogenannte Domizilbehandlungen. Diese müssen jedoch speziell vom Arzt verordnet werden. Falls Sie bereits Kontakt aufgenommen haben, fragen Sie direkt bei der jeweiligen Logopädin nach, ob sie eine Domizilbehandlung anbietet. Mit dem Pflegeheim muss die Entschädigung der Wegzeit geklärt werden.

 

Wie muss ich mir eine logopädischen Therapie vorstellen?

Vor Beginn der Therapie findet ein sogenanntes Anamnese-Gespräch statt, in welchem die spezifischen Schwierigkeiten, Fähigkeiten und auch Vorstellungen des Betroffenen ermittelt werden. Nach einer sorgfältigen Abklärung werden geeignete Therapiemethoden entsprechend der individuellen Bedürfnisse ausgewählt und durchgeführt.

 

Wie lange dauert eine logopädische Therapie?

Die Dauer einer logopädischen Therapie ist abhängig von der Ursache, der Ausprägung der Beeinträchtigung sowie weiteren Faktoren. Eine ärztliche Verordnung wird normalerweise für 9-12 Therapien ausgestellt.

 

Wie ist eine Logopädin ausgebildet? Wie wird eine qualifizierte Behandlung gewährleistet?

Die Berufsbezeichnung Logopädin ist ein geschützter Begriff und wird in der Schweiz vom Bund anerkannt. In der Deutschschweiz schliessen die Logopädinnen mit einem Bachelor-Diplom ab.

  • Fragen Sie nach, ob die jeweilige Logopädin für Ihren Bereich spezialisiert ist.