Familie und Beruf werden noch immer oft als Gegensätze gedacht. Als müsste man sich früher oder später entscheiden: für Kinder oder für berufliche Entwicklung, für Engagement oder für Präsenz zu Hause. Für mich war von Beginn an klar, dass ich diesen Druck nicht spüren möchte. Ich wollte meinen beruflichen Weg gehen und gleichzeitig Familie leben dürfen – ohne das Gefühl zu haben, warten zu müssen, bis ich „genug erreicht“ habe.
Seit 2019 arbeite ich als klinische Logopädin – ein Beruf, der für mich ein absoluter Traumberuf ist. Logopädie bedeutet für mich, Menschen von klein bis gross und vom Lebensstart bis zum Lebensende zu begleiten. Kommunikation und Nahrungsaufnahme ist Lebensqualität, Teilhabe und Würde. Diese Arbeit erfüllt mich und ich wollte sie nie aufgeben oder stark reduzieren, nur weil sich meine Lebenssituation verändert. 2022 habe ich meinen Master gestartet – zeitgleich war ich schwanger mit meinem ersten Kind. Eine intensive, herausfordernde, aber auch unglaublich lehrreiche Zeit. Ich habe durchgehend als klinische Logopädin gearbeitet, meinen Master 2025 abgeschlossen und bin nun schwanger mit meinem zweiten Kind. Rückblickend war es nicht immer leicht, aber immer richtig für mich.
Ein wichtiger Antrieb ist für mich auch mein berufspolitisches Engagement. Seit August 2025 bin ich im Vorstand des DLV tätig. Diese Arbeit empfinde ich als sehr motivierend, lehrreich und inspirierend. Es lohnt sich, sich für gute und faire Arbeitsbedingungen von Logopäd:innen einzusetzen – heute und in Zukunft. Denn nur so kann Logopädie ein Traumberuf bleiben und für viele auch dazu werden.
Besonders dankbar bin ich für all die Unterstützung, die ich bisher erfahren durfte. Ich hatte Vorgesetzte, Arbeitskolleg:innen und Mitstudierende, die mich auch während Schwangerschaft und Mutterschaft in meiner beruflichen Weiterentwicklung ernst genommen, mir Flexibilität ermöglicht und mir viel Wertschätzung entgegengebracht haben. Ebenso wichtig ist mein Mann: ein engagierter Vater, der selbst seine berufliche Karriere verfolgt. Gemeinsame wöchentliche Organisationstermine und das frühzeitige Planen von Engpässen gehören für uns selbstverständlich dazu. Die Kita und unsere Familie sind dabei wichtige und sehr verlässliche Joker. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Frauen und Männer in ihren individuellen Lebensentwürfen offene, flexible und wertschätzende Partner:innen haben – im beruflichen wie im privaten Umfeld. Dass niemand unfreiwillig vor die Wahl gestellt wird zwischen Familie oder Beruf. Für mich ist klar: Mit Familie, bald zwei kleinen Kindern und viel Motivation bleibe ich meinem Traumberuf treu – und setze mich dafür ein, dass Logopädie sich weiterhin lohnt.
Sarah Ackermann, dipl. Logopädin MA, DLV-Vorstandsmitglied
Neuen Kommentar schreiben